Polit-Kommentar zum Weltfrauentag

Die Stadtzeitung Tübingen im Fokus kommentiert heute in ihrem Polit-Kommentar die Geschehnisse am Weltfrauentag in Tübingen.

Hier geht’s zum Kommentar.

Demo-Berichte

Die Marxistische Aktion hat einen ausführlichen Bericht über unsere Demonstration Frauen, zurück auf die Barrikaden! auf dem Portal Tue-Info veröffentlicht:

Frauen, zurück auf die Barrikaden! – Demo-Bericht

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Die Tageszeitung junge welt berichtet heute unter der Überschrift Auf die Barrikaden! mit einer Bildmeldung über die Demonstration in Tübingen.

Redebeitrag der Antispeziesistischen Aktion

Der Redebeitrag, den die Antispeziesistische Aktion als Teil des ‚Bündnis 8. März‘ auf der Demonstration Frauen, zurück auf die Barrikaden! am Sternplatz hielt:

Manche werden sich vielleicht fragen, warum die Antispe Tübingen hier einen Redebeitrag hält und einen einen Infostand veranstaltet. Schließlich sind Antispe-Gruppen als Tierrechts-/Tierbefreiungsgruppen bekannt. Mit diesem Beitrag wird jedoch deutlich werden, dass der Kampf für die Befreiung der Tiere nicht nur viel mit anderen Befreiungskämpfen gemeinsam hat, sondern dass diese Kämpfe zusammengedacht werden müssen. Wir zeigen auf, wie sexistische Ideologien mit speziesistischen Ideologien, also jenen Argumentationsmustern, mit denen die Ausbeutung der Tiere in unserer Gesellschaft gerechtfertigt wird, zusammenhängen und wie diese beiden Herrschaftsformen miteinander verflochten sind.
Herrschafts- und Ausbeutungsverhältnisse werden von Menschen verinnerlicht als Ideologien, die sich oft tief ins gesellschaftliche Denken einprägen. Zur Rechtfertigung der Herrschaft der Männer über die Frauen wurden im Laufe der Geschichte eine Vielzahl von „Fakten“ erfunden. So wurden Frauen mit geistiger wie physischer Schwäche, Passivität, Hilflosigkeit, Weichheit, Oberflächlichkeit und Naturnähe in Verbindung gebracht. Das Konstrukt „Mann“ hingegen wurde mit geistiger und physischer Stärke, Aktivität, Selbständigkeit, Härte, Tiefe und Nähe zur Kultur anstatt zur Natur verbunden.
Dieses patriarchale Denken durchzieht die Geschichte der westlichen Zivilisation. Aristoteles steckte noch ganz offen die Frau zusammen mit den „Barbaren“, den Sklaven und den Tieren in eine Kategorie. Dieser setzt er den griechischen Bürger entgegen, der geistig dazu fähig und damit verpflichtet ist, über erstere zu herrschen. Dieser Gedanke wird später meist subtiler ausgedrückt, bildet aber eine Konstante europäischen Denkens. Die Reduktion auf Naturhaftigkeit, Körper und Instinkt sowie die Unterstellung eines Mangels an Vernunft und Individualität, die im Falle der Tiere deren Versachlichung ermöglicht und die totale Herrschaft über ihre Körper sichert, gehört seit über zweitausend Jahren auch zum Ausgrenzungs- und Unterdrückungsmuster gegenüber Frauen.
Die Teilung der Ideenwelt in zwei gegensätzliche Extrempole entwickelte sich von der Antike über das Mittelalter bis heute zur Basis westlichen Denkens und westlicher Wissenschaft. Die abrahamitischen Religionen – Judentum, Christentum und Islam –, die sich auf einen männlich-väterlichen, menschenähnlichen Gott berufen, bildeten dualistische Gegensatzpaare wie Gut/Böse, Gott/Satan usw., wobei das Widergöttliche stets mit tierlichen und weiblichen Attributen belegt wurde. So wird im Christentum der Teufel mit Hörnern und Pferdefuß dargestellt und im Neuen Testament auch schlicht als „das Tier“ bezeichnet; bereits in der Genesis ist es die Frau, die sich vom Teufel verführen lässt, und seit der europäischen Neuzeit führt die Wahnvorstellung, dass vornehmlich Frauen – oft auch sexuell – einen Bund mit dem Teufel eingehen, zu zehntausenden Hinrichtungen. Im berühmten „Hexenhammer“, ein Werk eines Dominikaners zur Legitimation der Hexenverfolgung, werden Frauen u.a. als eine „häusliche Gefahr“ und „ein Übel der Natur“ bezeichnet.
Im vom religiösen Denken geprägten und von Männern betriebenen wissenschaftlichen Diskurs der Moderne kamen Gegensatzpaare dazu wie Geist/Körper, Kultur/Natur, Vernunft/Trieb, Rational/Emotional und eben Mann/Frau, Mensch/Tier. Dabei machte sich der Mann immer zum Standard, zur Norm. Frauen wurden zum defizitären (also benachteiligten) und naturnahen Wesen erklärt. So schrieb beispielsweise der Psychiater Paul Julius Möbius 1907: „Der Instinkt nun macht das Weib tierähnlich (…). Mit dieser Tierähnlichkeit hängen sehr viele weibliche Eigenschaften zusammen. Zunächst der Mangel eignen Urteils (…). Wie die Tiere seit undenklichen Zeiten immer dasselbe tun, so würde auch das menschliche Geschlecht, wenn es nur Weiber gäbe, in seinem Urzustand geblieben sein. Aller Fortschritt geht vom Manne aus (…). Wäre das Weib nicht körperlich und geistig schwach, wäre es nicht in der Regel durch die Umstände unschädlich gemacht, so wäre es höchst gefährlich.“
Die aktuelle Situation von Frauen erklärt sich aus dieser Geschichte. Die Rolle der Frau als Hausfrau etwa wurde lange Zeit als naturgegeben dargestellt. Noch der 1947 verstorbene Physiker Max Planck sah keinen Zweifel daran, „dass die Natur selbst der Frau ihren Beruf als Mutter und Hausfrau vorgeschrieben hat, und dass Naturgesetze unter keinen Umständen ohne schwere Schädigungen (…) ignoriert werden können.“
Auch heute sind Alltagswissen und Wissenschaft noch stark patriarchal geprägt. Ansätze, die unter solchen Bedingungen entstanden sind, müssen hinterfragt werden. Die feministische Sozialistin Donna Haraway etwa kritisiert Theorieansätze, die als abgeschlossen gesehen werden und einen totalen Erklärungsanspruch haben, als „männlichen Allmachtsanspruch“.
Donna Haraway ist übrigens keine Antispeziesistin oder Tierrechtlerin, räumt aber ein, dass die Tierrechtsbewegung nicht auf der irrationalen Verleugnung der Einzigartigkeit des Menschen beruht, sondern, wie sie einmal schreibt, „auf der klarsichtigen Erkenntnis einer sehr realen Verbundenheit, die quer zu dem diskreditierten Bruch zwischen Natur und Kultur verläuft.“
Feministisch inspirierte Wissenschaft hat herausgearbeitet, dass die Mechanismen der „Konstruktion des Anderen“, also die Vorgehensweisen, wie Gruppen als „Andere“ konstruiert, vom „Eigenen“ abgespalten, an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden und so ihre Ausbeutung oder soziale Unterdrückung ideologisch legitimiert wird, sich von ihrer Struktur her gleichen. Donna Haraway schreibt hierzu: „Bestimmte Dualismen haben sich in der westlichen Tradition hartnäckig durchgehalten, sie waren systematischer Bestandteil der Logiken und Praktiken der Herrschaft über Frauen, farbige Menschen, Natur, ArbeiterInnen, Tiere – kurz, der Herrschaft über all jene, die als Andere konstituiert werden“.
Als naturnah oder tierähnlich stigmatisierte Menschen, wie bis ins 20. Jahrhundert hinein Schwarze, und Indigene heute noch, werden zu geborenen Sklaven gemacht oder gelten als rückständig. Letztlich folgte auch die Entmenschlichung der Bewohner jener Gebiete, die man(n) sich erschließen wollte, sei es als Kolonien oder als „Lebensraum im Osten“, dem Muster, „die Bewohner des annektierten Territoriums auf die Stufe eines höheren Affen hinabzudrücken, um dem Kolonialherrn die Rechtfertigung dafür zu geben, daß er sie wie Arbeitstiere behandelt“, wie Jean-Paul Sartre einmal schrieb. Der sog. „jüdisch-bolschewistische Untermensch“ war für Heinrich Himmler „nur ein Wurf zum Menschen hin, mit menschenähnlichen Gesichtszügen – geistig und seelisch jedoch tiefer stehend als jedes Tier.“ Auch der Vorwurf der Fortschrittsfeindlichkeit und Geschichtslosigkeit wurde im 19. und im 20. Jahrhundert auf das Judentum angewendet, welches ja seit tausenden Jahren scheinbar unverändert geblieben sei.
Heute drücken sich solche Ideologien zwar meist subtiler aus, sie sind aber nach wie vor wirkmächtig. So werden beispielsweise männlichen Menschen noch immer andere Werte vermittelt als weiblichen. Meistens werden diese dann als „sachlich“ bezeichnet, während die Einstellungen, die vermehrt Mädchen und Frauen vermittelt werden, als „emotional“ diskreditiert werden. Dazu gehört „Empathie“, Einfühlungsvermögen, welches Jungs und Männern eher aberzogen wird. So wird empathische Parteinahme für die Tiere häufig als „emotional“ verschrien. Dass ein solches Urteil zutiefst patriarchal geprägt ist, fällt dabei selten auf. Ähnliche Muster führen auch dazu, dass unsere Polit-Gruppen hauptsächlich aus Männern bestehen. Es muss nicht nur der Umgang innerhalb der Gruppe sein, es könnte auch an der theoretischen Ausrichtung der Gruppe liegen, wenn diese als männlich definierte Einstellungen vertritt. – Für Donna Haraway ist übrigens Empathie ein wichtiges Mittel, das Eingang auch in die Wissenschaft finden muss. Für uns ist jedenfalls klar, dass die feministische Theorie und die Erkenntnisse aus dem Kampf der Frauen uns wichtiges Handwerkszeug für den Kampf für eine befreite Gesellschaft in die Hand geben. Mehr noch: Feministische Forschung zeigt: Herrschaft in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen verwendet ähnliche Rechtfertigungsmuster, sie legitimierende Ideologien sind vielfach miteinander verflochten. Wenn wir für eine freiere und solidarischere Gesellschaft kämpfen wollen, müssen wir das berücksichtigen und unsere Kämpfe zusammendenken.
Die Demonstration am heutigen Tag ist einer von vielen möglichen Schritten dazu!

Redebeitrag der Libertären Que(e)rulant*innen

Der Redebeitrag, den die Libertären Que(e)rulant*innen als Teil des ‚Bündnis 8. März‘ auf der Demonstration Frauen, zurück auf die Barrikaden! am Sternplatz hielt:

100 Jahre Weltfrauentag. Mehr als 100 Jahre Kampf gegen Unterdrückung aufgrund von Geschlecht. Eigentlich schade, dass wir heute immer noch dagegen demonstrieren müssen. Dass patriarchale Verhältnisse noch immer bestehen, noch immer viel zu sehr Alltag sind.
Die stillschweigende Akzeptanz dieses Unterdrückungsverhältnisses in großen Teilen der Bevölkerung trägt massiv dazu bei, andere Unterdrückungsmechanismen ebenfalls in der Normalität anzusiedeln.
Darum lasst uns heute laut, bunt, frech und vielfältig weiter dagegen demonstrieren!
Die Unterdrückung der Frau als offensichtlichste Form der geschlechtsspezifischen Diskriminierungen zu bekämpfen sollte jedoch nicht in Vergessenheit geraten lassen, dass noch mehr Menschen von Diskriminierung aufgrund ihres Geschlechts oder sexueller Orientierung betroffen sind.
Im vorherrschenden Kategorisierungssystem Heteronormativität werden Geschlechter nur in Frau und Mann eingeteilt, Beziehungen mit anderen Menschen sind nur zwischen Frau und Mann „normal“.
Homo-, Bi-, Inter- und Transsexuelle und alle anderen Menschen, die sich keiner biologistischen oder sexuellen Norm unterwerfen wollen, sehen sich mit Diskriminierung konfrontiert. Von dummen Sprüchen wie „Ey, bist du Mann oder Frau?“ über schwulenfeindlich motivierte Übergriffe bis hin zu Zwangsoperationen und Genitalverstümmelung an Hermaphroditen z.B. im Universitätsklinikum Tübingen.
Wir wollen dem etwas entgegensetzen: Viele Geschlechter statt nur zwei. Viele große Lieben statt nur eine. Eine bunte Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung, in der Menschen sich aussuchen, welches Geschlecht sie leben wollen, wen sie lieben.
Deswegen: Lasst uns heute und an allen anderen Tagen nicht nur für die Rechte der Frauen kämpfen, sondern auch für die Rechte aller anderen von Diskriminierung Betroffenen!

Redebeitrag des Bildungsstreiks

Der Redebeitrag, den der Bildungsstreik Tübingen als Teil des ‚Bündnis 8. März‘ auf der Demonstration Frauen, zurück auf die Barrikaden! am Lustnauer Tor hielt:

Der Bildungsstreik ist ein breites Bündnis von Einzelpersonen und Gruppen, die sich zusammengeschlossen haben, um sich für eine soziale, gerechte und freie Bildung einzusetzen. Wir bringen uns als Bündnis hier und heute ein, weil die Benachteiligung der Frauen auch im momentanen Bildungssystem von der frühkindlichen Erziehung bis zur Selektion an den Universitäten beobachtet werden kann.
Zunächst ein Blick in die Anfänge der Frauenbewegung: Trotz der Einführung einer allgemeinen Schulpflicht im 17. Jahrhundert des damaligen Deutschlands, blieb Bildung von Mädchen de facto eine Privatangelegenheit. Die Institutionalisierung der Bildung führte darum nicht dazu, dass Mädchen aus ihrer Rolle als gehorsame und geschickte Hausfrauen herauswachsen konnten. Erst im Zuge der Frauenbewegung des 19. Jahrhunderts entstanden neue Ausbildungsmöglichkeiten, die zumindest den wohlhabenden Schichten zur Verfügung standen. Um 1890 setzten sich dann Vereine wie der Allgemeine Deutsche Frauenverein mit Hilfe von Petitionen für die Zulassung von Frauen in bestimmten Fachbereichen an den Universitäten ein. Diese und weitere Bemühungen führten jedoch erst nach dem Ersten Weltkrieg dazu, dass Frauen in größerer Zahl die Hochschulen besuchten. Dieser positive Trend wurde trotz der Bemühungen im Dritten Reich, den Frauenanteil an Hochschulen unter 10 Prozent zu senken, nicht gestoppt. Seit Beginn der 60er wurde die Geschlechtertrennung in den Gymnasien nach und nach aufgebrochen. Als größter Erfolg der Frauenbewegung für die Bildung ist heute eine Geschlechter-Parität bei den Hochschulabschlüssen erreicht worden.
Während die Geschichte der Frauenbewegung bereits einige Erfolge verzeichnet hatte, finden sich heutzutage immer noch viele Defizite im Bildungssystem: Die geschlechtsspezifische Wahl von Ausbildungs- oder Studienfach ist im europäischen Vergleich in Deutschland immer noch stark ausgeprägt. Obwohl der weibliche Anteil in der Schule mit der Qualifikation des Abschlusses steigt, kippt dieses Verhältnis bei der Anzahl der Studierenden um. Schon beim Wechsel vom Bachelor zum Master bleiben verhältnismäßig mehr Frauen auf der Strecke! Diese negative Tendenz wird um so deutlicher, desto höher der akademische Abschluss ist. Machen wir uns das einmal klar: Auf neun Professoren kommt in Deutschland heute immer noch nur eine Professorin! Auch den positiven Entwicklungen im Hinblick auf das Bildungsniveau standen und stehen Studiengebühren gegenüber, die auf Frauen noch abschreckender wirken, da sie später mit einem niedrigeren Einkommen rechnen müssen. Da kommt schon eher die Frage auf, ob sich ein teures Studium überhaupt lohnt.
Wie wir gesehen haben, gibt es noch einiges zu tun: Der geschlechtsspezifischen Erziehung in den Kindergärten und Schulen muss ein Ende gesetzt werden! Frauen und Männer müssen in allen akademischen und auszubildenden Bereichen die gleichen Aufstiegschancen haben! Studierende müssen auch an Hochschulen von ausreichend weiblichen Vorbildfiguren lernen können! Erst dann können wir von einem Bildungssystem sprechen, das niemanden auf Grund seines Geschlechts diskriminiert.

Redebeitrag des Anarchistischen Netzwerks

Der Redebeitrag, den das Anarchistische Netzwerk Tübingen als Teil des ‚Bündnis 8. März‘ auf der Demonstration Frauen, zurück auf die Barrikaden! auf dem Marktplatz hielt:

100 Jahre ist es nun her, dass der Internationale Kampftag der Frauen ausgerufen wurde. In Deutschland wird er unter der Bezeichnung „Frauentag“ begangen, während z.B. in den spanischsprachigen Ländern vom „Tag der arbeitenden Frau“ die Rede ist.
Als Anarchistinnen und Anarchisten sehen wir die Befreiung der Frau nicht losgelöst von der Klassengesellschaft. Und demzufolge sind für uns Karrierefrauen nicht nur Zeichen des Fortschritts, sondern stellen eine Verschiebung im Kräftegefüge des kapitalistischen Ausbeutungssystems dar. Reiche Frauen und arme Frauen trennen Lebensrealitäten. Reiche Frauen lassen arme und illegalisierte Frauen oftmals für sich arbeiten. Es gibt weibliche Chefs, weibliche Angehörige bei der Polizei und dem Militär, die dieselben Funktionen für den Erhalt des kapitalistischen Unrechtssystems ausüben wie ihre männlichen Kollegen.
Diesen Zustand hat die bürgerliche Frauenbewegung erreicht. Doch ist dies noch kein Grund zu feiern, ebenso wie die Tatsache, dass es hauptsächlich Frauen aus den Ober- und Mittelschichten sind, die in Parteien und Parlamenten Funktionen und Macht ausüben. Während man die Claudia Roths, Alice Schwarzers und Angela Merkels regelmäßig in den Medien sieht, verschwindet die Lebensrealität der Frauen und Mädchen aus der arbeitenden Klasse noch viel zu oft in Kurzmeldungen und Dokumentationen im Nachtprogramm.
Emanzipation, Frauenbefreiung und Klassenkampf gehen Hand in Hand oder werden nicht erfolgreich sein. Weibliche Lohnabhängige zählen noch immer zu den am schlechtesten Bezahlten Werktätigen überhaupt. Sie bekommen im Vergleich mit männlichen Kollegen, die dieselbe Tätigkeit ausüben, im Durchschnitt noch immer weniger Stundenlohn. Frauen stellen den größten Teil der „working poor“ und der Alleinerziehenden. Zusätzlich zu diesen Benachteiligungen sind sie mit frauenfeindlichem und sexistischem Verhalten in Familien, Betrieben und Gesellschaft konfrontiert. Diese Angriffe versuchen ein selbstbestimmtes, freies Leben von Frauen zu verunmöglichen. Zusätzlich dienen sie der Spaltung unserer Klasse in männliche und weibliche Lohnsklaven entlang unterschiedlicher Lohngruppen. Sowohl gegen die Angriffe auf die Würde und Selbstbestimmung von Frauen, als auch gegen die Spaltung von uns Lohnabhängigen entlang der Geschlechter beziehen Anarchistinnen und Anarchisten in Betrieben und Alltag Position. Alles, was der Selbstbestimmung der Menschen und der Solidarität innerhalb unserer Klasse zuwider läuft, ist zu bekämpfen.
Wir ehren die Frauen, vor allem unserer Klasse! Und zwar am besten im gemeinsamen täglichen Klassenkampf, im täglichen Kampf gegen Patriarchat und spalterischen, machtausübenden Sexismus und durch gegenseitige Unterstützung im täglichen Leben.

Für eine Gesellschaft der Freien und Gleichen!
Für die Selbstbestimmung in allen Lebensbereichen!
Für sexuelle Selbstbestimmung und ein Ende der sexistischen Kultur!

Redebeitrag des Krisenbündnisses

Der Redebeitrag, den das Tübinger Bündnis „Wir zahlen nicht für eure Krise“ als Teil des ‚Bündnis 8. März‘ auf der Demonstration Frauen, zurück auf die Barrikaden! auf dem Holzmarkt hielt:

Frauen in der (Wirtschafts-)Krise!
Unser kapitalistisches Gesellschaftssystem baut auf einer massiven Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern auf. Die Finanzkrise hat diese ungerechten Strukturen in bestimmter Hinsicht verstärkt: Deutschland hat in den vergangenen zwei Jahren die größte Krise des Kapitalismus seit 1929 erlebt. Durch eine seit den 1970er Jahren in fast allen Industrieländern praktizierte neoliberale Politik fand eine Umverteilung von Einkommen und Vermögen zu Gunsten der Unternehmen und der Vermögenden statt. Gleichzeitig wurden die Sozialsysteme massiv beschnitten und die Lebensarbeitszeit wurde verlängert. Durch die Anhäufung der Geldvermögen und die gleichzeitige Deregulierung der Finanzmärkte blähte sich eine riesige Finanzblase auf, die Ende 2008 geplatzt ist. Während der anschließenden Banken- und Unternehmensrettungen hat der Staat die Schulden dieser Krise übernommen. Deutschland versucht das Ziel zu erreichen, seine aggressive Exportindustrie und seinen Bankensektor weiterhin durch diese Weltwirtschaftskrise zu bringen – und zwar auf Kosten der Bevölkerung in Deutschland, als auch der Bevölkerungen in anderen importierenden und sich verschuldenden Staaten. Deshalb beginnt jetzt das große Kürzen in den staatlichen Haushalten. Wenn der Staat spart, macht er das in erster Linie über Stellenkürzungen im sozialen und kulturellen Bereich. Der Staat zieht sich aus diesem Sektor zurück und verlangt stillschweigend von uns Frauen, diese Arbeit unentgeltlich zu leisten und zusätzlich ehrenamtlich, die Defizite im kulturellen und öffentlichen Leben der Gemeinden auszugleichen.
Im vergangenen Jahr frohlockte die Presse mit welcher Bravour Deutschland die Finanzkrise überwunden hätte. Aber seit der Einführung der Hartz IV-Gesetzgebung hat eine massive „Prekarisierung“ der Arbeit stattgefunden. Das bedeutet: Immer mehr Leute – und hier überdurchschnittlich viele Frauen – müssen von Minijobs, Teilzeitstellen, Saison- und Leiharbeit leben. Sozialversicherungspflichtige und unbefristete Vollzeitstellen haben im Vergleich zu den 60er Jahren massiv abgenommen. Dies wird sich auch durch die staatlichen Kriseninterventionen nicht ändern. Im Gegenteil: Betrachtet man, welche Branchen gestützt werden, fällt auf, dass dort anteilig wenige Frauen beschäftigt sind (z.B. Baugewerbe, Fahrzeug- und Maschinenbau/Metallproduktion). Ein Beispiel hierfür ist die umwelt- und wirtschaftspolitisch unsinnige “Abwrackprämie“. Im Gegensatz dazu stehen die gesellschaftlich wichtigen Bereiche wie Pflege, Erziehung und Betreuung, in denen überwiegend Frauen beschäftigt sind, unter dem massiven Kürzungsdiktat. Das bedrängt Frauen doppelt: Mit den Sparpaketen trifft es vor allem den öffentlichen Sektor (52% Frauen). In dieser Branche wurden seit 1992 über 2 Mio. Arbeitsstellen abgebaut und eine massive Zunahme an Teilzeitstellen beobachtet. Zum anderen ist klar, dass der rechtliche Anspruch auf einen kostenlosen vorschulischen Betreuungsplatz für alle Kinder ein Lippenbekenntnis bleibt. Da Frauen nach wie vor hauptsächlich die Familienarbeit schultern, sind aber vor allem sie auf ein gutes Betreuungssystem angewiesen!
Wir hier in Tübingen erleben mit dem kommunalen Kürzungspaket ganz konkret die Folgen für Kindertagesstätten: einige sind von Schließung bedroht – Arbeitsbedingungen für Erzieherinnen werden verschlechtert – Stellen eingespart. Mit der zusätzlichen Lohndiskriminierung von Frauen bei gleichzeitigem Mangel an Kinderbetreuung wird in vielen Partnerschaften schnell wieder auf das konservative, ungleiche Rollenmodell zurückgegriffen, das ja auch noch steuerlich gefördert wird (Stichwort Ehegattensplitting). Ganz zu schweigen von den Entgeltunterschieden von 23% (in BaWü bekommen Frauen im Durchschnitt 28,5% weniger). Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass sich die Politik nach wie vor auf die Industrie und auf das Leitbild des „männlichen Ernährers“ konzentriert. Anlässlich des 100. Internationalen Frauentags gilt daher ganz aktuell die Forderung:

Wir Frauen wollen nicht für Eure Krise zahlen!
Für gute und gleiche Löhne und Arbeitsbedingungen!
Für den Ausbau des Bildungs- und Betreuungssystems!
Für den Ausbau der sozialen und kulturellen Daseinsvorsorge!

Redebeitrag des AK Revolutionärer 8. März

In chronologischer Reihenfolge veröffentlichen wir die Redebeiträge, die im Rahmen der heutigen Demonstration Frauen, zurück auf die Barrikaden! gehalten wurden.

Zunächst der Redebeitrag, den der AK Revolutionärer 8. März auf dem Holzmarkt hielt:

„Heraus mit dem Frauenwahlrecht!“ – Mit dieser Parole sind am ersten Internationalen Frauentag am 19. März 1911 alleine in Deutschland mehr als eine Million Frauen auf die Straße gegangen und haben für alle Frauen soziale und politische Gleichberechtigung gefordert. Clara Zetkin schrieb 1914 über den Zweck des Frauentags: „Wir müssen Sorge tragen, daß der Frauentag nicht nur eine glänzende Demonstration für die politische Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts, sondern darüber hinaus der Ausdruck einer Rebellion gegen den Kapitalismus, eine leidenschaftliche Kampfansage all den reaktionären Maßnahmen der besitzenden und ihrer willfährigen Dienerschaft, der Regierung ist.“
Diese Forderungen stellen wir auch heute noch. Zwar ist das Frauenwahlrecht seit 1990 auch in der gesamten Schweiz eine akzeptierte Tatsache; aber diese Ziele wurden nur innerhalb des kapitalistischen Systems erreicht und bedeuten für Frauen überall auf der Welt weiterhin, dass Ausbeutung, Abhängigkeit und Zwang nicht überwunden sind. Das Ziel der „Befreiung der Frau“ ist also noch lange nicht erreicht, sondern in den kapitalistisch entwickelten Systemen lediglich in Vergessenheit geraten.
Der Begriff „Feminismus“ ist heute umkämpft und seine emanzipatorische Aufgabe in Deutschland tritt oft nur marginal in Erscheinung. Viel öfter trifft man auf sogenannte Feministinnen wie die EMMA-Herausgeberin Alice Schwarzer, die als Aushängeschild der schwarz-gelben Regierung sogar die Koalition mit dem rechten Lager eingeht, indem sie offen in den Chor des antimuslimischen Rassismus einstimmt. Die revolutionäre Frauenbewegung muss den kleinbürgerlichen, vom Staat vereinnahmten Feminismus immer als das begreifen, was er wirklich ist: Und zwar als eine Gegenstrategie der Herrschenden gegen den Kampf um die wirkliche Befreiung der Frau.
Aus marxistischer Perspektive ist der Kampf für Frauenrechte untrennbar mit einem grundsätzlichen Kampf für den Umsturz der herrschenden kapitalistischen Verhältnisse verknüpft. Uns geht es um den Kampf für die revolutionäre Überwindung der Diskriminierung der Frau. Diese Diskriminierung ist im Kapitalismus in der doppelten Ausbeutung der Arbeiterin durch das Kapital und somit im Privateigentum an den Produktionsmitteln begründet.
Die proletarische Frauenbewegung hat in den letzten 150 Jahren wichtige Dienste für die organisierte Arbeiter_innenbewegung geleistet. Sie zeigte, dass die Interessen der lohnabhängigen Frauen weit über den kapitalistischen Rahmen hinausgehen. Als kommunistische Frauenbewegung hat sie die Notwendigkeit eines gemeinsamen Kampfes der Arbeiter_innen – unabhängig vom Geschlecht – sowohl für die Frauenbefreiung als auch die soziale Befreiung aufgezeigt. Dies hebt sie ab von der bürgerlichen Bewegung, die, versteckt hinter der Maske der Gleichstellung, lediglich eine „Besserbehandlung“ der Frauen anstrebt, zu der kein grundsätzlicher Wandel der bestehenden hierarchischen Strukturen zwischen den Geschlechtern nötig ist. Entgegen dem weit verbreiteten Irrtum sind wir Marxist_innen keineswegs der Meinung, dass der Sozialismus automatisch zur Befreiung der Frau führt und sich die „Frauenfrage“ sozusagen von alleine löst. Die Frauenfrage nur in den Klassenkampf einzuspeisen mit der Hoffnung, der Sozialismus werde es „igendwann schon richten“, wird den komplexen Unterdrückungsmechanismen nicht gerecht. Die in den aktuellen Debatten diskutierten Schwerpunkte auf individueller Ebene – also auf der Ebene der subjektive Erfahrungen der Unterdrückung – müssen mit in Betracht gezogen und nicht als unbedeutend abgetan werden. Auf diese Weise wird der Kampf für die Rechte der Frau nicht von der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung getrennt.
Der Kampf für den Kommunismus bedeutet also das Ringen um eine Gesellschaft ohne jegliche Unterdrückung des Menschen durch den Menschen: „[Der Kampf kann] einzig und allein verwirklicht werden durch den gemeinsamen Klassenkampf der Frauen und Männer des ausgebeuteten Proletariats gegen die Vorrechte, die Macht der Männer und Frauen der besitzenden und ausbeutenden Klassen“ (Clara Zetkin).
Für uns als Kommunist_innen ist es notwendig, die historische Bedingtheit und das gegenwärtige Erscheinungsbild der Unterdrückung zu analysieren und zu verstehen. Wir können auf Grundlage der Geschichte der Frage nachgehen, wie unsere Kämpfe in der Zukunft aussehen können. Gerade in einer Zeit, in der sich die Widersprüche der kapitalistischen Gesellschaft weltweit immer weiter zuspitzen und erkämpfte Errungenschaften wieder und wieder angegriffen werden, ist die gemeinsame revolutionäre Perspektive das Ziel, das es zu verwirklichen gilt.
Wir müssen ein kämpferisches Selbstbewusstsein entwickeln und gemeinsam den Emanzipationsprozess vorantreiben. Zum hundertjährigen Jubiläum des Internationalen Frauenkampftags wollen wir ein starkes Zeichen dafür setzen, dass die Befreiung der Frau kein Thema der Vergangenheit ist, sondern in die Zukunft getragen werden muss.
Die Geschichte wird nicht von großen Männern gemacht. Und genauso wenig von großen Frauen. Sie ist immer das Ergebnis komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen. Alle bisherige menschliche Geschichte ist nur als Geschichte von Klassenkämpfen zu verstehen, nicht etwa als Geschichte einzelner Helden oder Heldinnen. Innerhalb dieser Kämpfe zwischen den Klassen bedarf es jedoch vieler mutiger und entschlossener Kämpfer_innen gegen die Reaktion und für die Emanzipation der Menschen. Heute wollen wir an die unzähligen namenlosen Frauen erinnern, die sich in allen Teilen der Welt mit ihrem Herz, ihrem Verstand und oft mit ihrem Leben gegen das Patriarchat, gegen die Tyrannei des Faschismus und des Imperialismus und für eine revolutionäre Perspektive jenseits der kapitalistischen Ordnung eingesetzt haben oder weiter einsetzen. Stellvertretend für diese haben wir elf Frauen aus verschiedenen Bereichen des Kampfes für die Befreiung der Frauen aus der Unterdrückung durch das Patriarchat und die Befreiung aller Menschen aus der Unterdrückung durch den Menschen ausgewählt, und tragen sie heute auf diesen Schildern unserer Demo voran.
Zum hundertjährigen Jubiläum des Internationalen Frauentags und im Gedenken an die zahlreichen mutigen und kämpferischen Frauen gilt: Euch gehört auch heute die Straße!

Nieder mit dem Patriarchat!
Für Emanzipation und soziale Revolution!
Für den Kommunismus!

Broschüre: Frauen, zurück auf die Barrikaden!

Die Marxistische Aktion Tübingen, die Teil des ‚Bündnis 8. März‘ ist, hat zum Frauentag eine eigene Broschüre herausgebracht.
Die Printversion gibt es am Internationalen Frauentag auf dem Holzmarkt, die Online-Version hier zum Download:

Frauen, zurück auf die Barrikaden! Internationale Frauenkämpfe in Geschichte und Gegenwart

Bündnisflyer online!

Der Flyer des ‚Bündnis 8. März‘ zum Internationalen Frauentag in Tübingen ist fertig!

Er kann unter folgendem Link heruntergeladen werden:
Allgemeiner Aufruf des ‚Bündnis 8. März‘

Das Plakat dazu gibts hier:
Plakat ‚Bündnis 8. März‘